Bento, das Buzzfeed des “Spiegel”

bento-630x353Nach Ze.tt von Zeit Online und BYou von der Bild ist am gestrigen Donnerstag auch Bento, das Jugendportal von Spiegel Online, gestartet – und seine amerikanischen Vorbilder, Buzzfeed und Vice, sind auf den ersten Blick erkennbar. Was Bento dabei jedoch gut tun würde: etwas weniger Buzzfeed und etwas mehr Vice.

Das Experimentieren steht bei Bento im Vordergrund – und das ist beim Launch deutlich sichtbar. Zum Start steht so zum Beispiel der Text „Wie halten wir unseren WG-Putzplan ein? So!“ über der Geschichte „In Irland kann man sich sein Geschlecht künftig aussuchen“. Die Ressorts heißen unter anderem: Gerechtigkeit, Fühlen, Queer oder Haha (auf das angekündigte Hashtagzeichen hat die Redaktion dann doch verzichtet). Tagesaktuelle Nachrichten stehen eher im Hintergrund und sind lediglich in einem kleinen Kasten zu sehen; bei Snapchat gibt es Einblicke in die Redaktion.

Dass die Bento-Redaktion eine junge Zielgruppe zwischen 18 und 30 Jahren ansprechen und zeigen will, dass sie sich dazu zählt, könnte kaum deutlicher werden: Immer wieder geht es um „unsere“ Generation, die Geschichten heißen „So spießig sind wir wirklich“ oder „Flüchtlinge, das ist meine Generation“.

Mit dem Vorsatz, unbedingt die Sprache der Jugend sprechen zu wollen, schießt Bento dabei jedoch stellenweise übers Ziel hinaus – zum Beispiel mit der Gif-Geschichte „Du brauchst ein Haargummi, aber hast keins? Schlecht!“, die man eher in der Bravo als bei einem Portal für über 18-Jährige erwarten würde. Und die Fotosammlung „Diese Bilder beweisen, dass Elyas M’Barek der heißeste Typ der Welt ist“, die unter anderem den „lachenden“ und „stehenden“ Elyas zeigt, würde wohl besser in die Bunte passen. Auch die Zwischenüberschriften der einzelnen Texte sind gewöhnungsbedürftig und wirken gekünstelt hip. „OMG! So fancy!“ oder „Say what?!“ heißt es da zum Beispiel.

Mit mehr Substanz und weniger Listicle-Klamauk hat Bento gute Chancen, eine jüngere Zielgruppe für sich zu gewinnen als das Mutterschiff Spiegel Online. Dabei sollten sie jedoch vor allem auf eines achten: die jungen Leser nicht zu unterschätzen.

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