Abfahrtszeitanzeiger in Berlin: Dynamisch ist anders

DSC_0090So ein Blog ist ja auch immer eine Gelegenheit für den gelegentlichen Rant über die kleinen Ärgernisse des Alltags. Heute: Die Informationsdienste, mit denen die Berliner Verkehrsbetriebe (vermeintlich) die nächsten Abfahrtszeiten des öffentlichen Nahverkehrs an gegebenen Haltestellen kundtun.

Am vielen Haltestellen in Berlin gibt es diese großformatigen Displays, auf denen die nächsten Abfahrtszeiten von Bussen bzw. Bahnen gelistet werden. Ok, oft genug beschränkt sich die Information auf den Hinweis “Bitte beaxchtenFahrplanaushang beachten”, wenn eben jene Displays mal wieder kaputt sind. Aber sei’s drum – die Web-2.0-geschulte BVG bietet ja noch eine weitere Info-Alternative zu dem “so-20.-Jahrhundert”-igen Papieraushang an. Diese ist besonders praktisch an Haltestellen, die nicht über ein solches in Echtzeit aktualisiertes Display verfügen: Einfach mit dem Smartphone einen Barcode scannen, und schon erhält man die gleichen aktuellen Informationen frei haus.

bvg_fahrplanauskunft_mobilDenkste! Ein schmerzhaft selbst erlebtes Beispiel aus dem echten Leben: “Mist, laut Fahrplanaushang den Bus gerade verpasst. Aber der Bus hat ja eh meist Verspätung.” Also schnell den Smartphone-Check gemacht und, siehe da, der Bus kommt erst in 4 Minuten an! 10 Minuten später werde ich misstrauisch. Also nochmal checken: Nun ist der angeblich verspätete Bus aus der Liste verschwunden und es wird stattdessen einer angezeigt, der in 20 Minuten fahren soll. Nein, nicht derjenige, der laut Fahrplan schon in 10 Minuten kommen soll, sondern noch irgendein anderer (der wahrscheinlich gar nicht existiert). Wenn man nicht annimmt, dass der Bus 4 Minuten vor Ankunft eine plötzliche Reifenpanne hatte, deren Behebung genau 16 Minuten in Anspruch nehmen sollte, muss in diesem Informationssystem ein schwerwiegender Bug vorliegen.

Weitere Feldtests in vergleichbaren Situationen ergaben, dass Papieraushang, Haltestellen-Display und Smartphone-Service offenbar jeweils auf einer unterschiedlichen Datenbasis beruhen, so dass man im schlimmsten Fall drei verschiedene Auskünfte über den nächsterreichbaren Bus erhält.

Die Informationserteilung der BVG basiert also auf einer fiktiven Wirklichkeitskonstruktion, die mit der äußeren Realität nichts zu tun haben muss. Auch das ist Science-Fiction. Nicht.

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