Filmkritik: JOBS

jobs_filmplakatDas erste Biopic über den 2011 verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs wurde nicht nur von der journalistischen Kritik in den USA ausgesprochen negativ aufgenommen; in Deutschland fand der Film nicht mal einen Verleih fürs Kino und kann hierzulande nur auf Silberscheibe oder per Stream genossen werden. Er habe nichts Neues zu bieten, enthalte zahlreiche faktische Fehler und sei insgesamt einfach langweilig, heißt es. Doch der Film hat auch seine positiven Seiten.

Fangen wir mit dem an, was in dem Film tatsächlich nervt: Ashton Kutcher hat die Manierismen in der Körpersprache von Jobs so genau studiert, dass er mit jeder Faser seines Körpers so übertrieben wie Steve Jobs sein will, dass sein schlurfender Gang, seine gebückte Haltung und seine ironisch-arrogante Mimik schon wie eine Karikatur wirken. Trotz genauer Reproduktion der über die Jahre wechselnden Haar- und Kleidermoden hat man nie das Gefühl, tatsächlich Steve Jobs vor sich zu haben, sondern immer einen Schauspieler, der sich bemüht, wie er zu wirken.

Was den Film hingegen wirklich interessant macht, ist die visuelle Schilderung eines Aufstiegs vom Studenten-Startup zum Weltkonzern. Der Weg von der wortwörtlichen Garage über den ersten mehrstöckigen Bürokomplex bis hin zu der gigantonomischen “Kathedrale” des heutigen Apple-Campus, der in immer neuen Kamera-Überflügen aus der Vogelperspektive elegisch gefeiert wird, ist einfach sehr beeeindruckend gestaltet und wird bis in kleinste Ausstattungsdetails in den Innenräumen liebevoll nachvollzogen. Sinnfällig werden auf diese Weise gleich mehrere Ausdeutungsebenen der Steve-Jobs-Figur: Die unternehmerische Erfüllung des amerikanischen Traums ebenso wie das absolute und detailvesessene Streben nach der perfekten Eleganz einer ästhetisch-glatten Moderne, die Steve Jobs spätestens seit seiner mit dem als designerische Offenbarung empfundenen iMac in den 90er Jahren begonnenen Zusammenarbeit mit dem Industriedesigner Jonathan Ive auszeichnete – und nicht zuletzt auch die je nach Sichtweise zwischen visionärer Kraft und Größenwahn oszillierende Gestaltungskraft des Apple-Gründers, die sich von den bescheidenen Anfängen, als Vertriebsgespräche noch im Vorgarten der Eltern stattfanden, bis zur noblen Residenz in einer von künstlichen Wäldern und Flüssen durchzogenen, vollklimatisierten Konzernzentrale immer auch in der Arbeitsumgebung äußerte, die er sich selber schuf. Als ein Leitmotiv erscheint dabei die fortschreitende Präsenz der Corporate Identity, wenn im ersten Hauptquartier erstmals das bunte Apple-Logo an der Firmenauffahrt erscheint, bis zur repräsentativen Eingangshalle des Apple-Campus, die justament in dem Moment eingeführt wird, als Steve Jobs nach mehrjähriger erzwungener Auszeit selbst als Outsider die ehrfurchtgebietenden Hallen wieder betritt – wobei nicht ohne Ironie die von der Decke hängenden großformatigen Apple-Plakate ins Bild gerückt werden, die an die überdimensionalen Monitore des Big Brother aus dem Macintosh-Commercial von 1984 erinnern, dessen Produktion durch Regielegende Ridley Scott dem Zuschauer einige Filmminuten zuvor gezeigt wurde.

Dies sind die stärksten Momente des Films – nämlich immer dann, wenn es ihm gelingt, auf solche Weise Subtext unterschwellig zu vermitteln. Weit weniger subtil sind die Momente, in denen versucht wird, Steve Jobs menschlich näher auszuleuchten. Man mag kritisieren, dass den Filmemachern dafür wenig mehr einfiel, als ihn in einer in öffentlichen Auftritten nie gezeigten Gefühlsaufwallung zu zeigen, als er sich nach dem Rausschmiss durch den Vorstand des selbst gegründeten Unternehmens in den Armen des Vaters ausweint. Offen bleiben muss wohl die Frage, ob hinter der Fassade des Egomanen, des perfekten Präsentators und Verkäufergenies, tatsächlich eine so sensible Persönlichkeit steckte, oder ob der Film gerade dadurch der jobs’schen Selbstinszenierung auf den Leim geht, die immer auch die Überhöhung zum vom Schicksal Auserwählten als Adoptivkind seiner Pflegeeltern umfasste.

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