“Shark Tank” als “Höhle der Löwen”

shark_tankMit In der Höhle der Löwen wurde auf Vox eine Art Casting-Show für Jungunternehmer angekündigt, deren Konzept sehr spannend klingt: Potenzielle Unternehmer stellen ihre Geschäftsidee vor einer Jury finanzstarker Investoren vor, die dann entscheiden, ob sie eigenes Geld in das Unternehmen stecken wollen und damit Anteilseigner werden. Eine solche Sendung gab es vor etwa 15 Jahren auf n-tv schon einmal: Auf dem Höhepunkt des New-Economy-Hypes hieß sie noch Die Startup-Show, wurde 2001 dann aber umbenannt in Unternehmershow und war nicht mehr nur für “New Economy”-Unternehmen offen, sondern für alle Branchen – so wie auch das jetzt angekündigte Format.

Es basiert auf der US-amerikanischen Show Shark Tank, die wiederum eine Lizenz der in Japan beheimateten und inzwischen weiltweit ausgedehnten Franchise Tiger of Money ist. In Amerika startete sie 2009 und läuft inzwischen in der 5. Staffel – höchste Zeit also, dass auch dieses Format den Weg über den großen Teich auf unsere Bildschirme findet. Interessant ist, dass Shark Tank – genau so wie sich seinerzeit die Startup-Show mit der “New Economy” auf eine aktuelle Wirtschaftstendenz bezog – explizit auf eine kritische Entwicklung der Gesamtwirtschaft Bezug nimmt. Das war zum Start der Show die 2009 voll spürbare Finanz- und Wirtschaftskrise, die es Gründern schwerer den je machte, Risikokapital zu gewinnen. In Deutschland dagegen nimmt man bei der Ankündigung der Sendung nur recht allgemein auf den hier noch unterentwickelten Markt für Venture Capital Bezug. Ein Starttermin für die deutsche Version ist allerdings noch nicht verkündet worden; um einschätzen zu können, was uns da erwartet, ist es aber hilfreich, sich das auf dem US-Network ABC laufende Vorbild mal auf Youtube anzusehen.

Was unmittelbar auffällt, ist, wie die laut Formatprinzip doch als Gruppe von rücksichtslosen, eiskalt kalkulierenden Haien charakterisierten Unternehmensführer mit unverhohlener Bewunderung vorgestellt werden. Die wohlhabenden Bosse großer Firmenimperien können in Amerika noch als cool gelten – in der Weltsicht, die von deutschen Privatsendern transportiert wird, wäre das in dieser Form wohl undenkbar. In der Vorstellung deutscher Fernsehmacher scheinen Sendungen wie Undercover Boss, in denen sich Firmenchefs demütig von untersten Angestellten herumkommandieren lassen, um Missstände im eigenen Unternehmen am eigenen Leib zu erfahren, dem Publikum hierzulande wesentlich näher zu stehen als das Feiern der Erfolgsgeschichte von Unternehmerpersönlichkeiten, die mit ihrem Pro oder Contra für eine Geschäftsidee ihre Erfahrungswerte an eigenverantwortlich handelnde Jungunternehmer weitergeben. Gerade deswegen ist es so spannend, ob sich mit In der Höhle der Löwen nun ein Format durchsetzen wird, das hier einen anderen Weg einschlägt.

Betrachtet man sich die amerikanische Originalsendung genauer, stellt sich freilich heraus, dass es sich dabei um eines jener “Reality TV”-Formate handelt, bei der eine Situation simuliert wird, die so überhaupt nicht stattgefunden haben kann. Es wird suggeriert, die Jurymitglieder würden eine Investmententscheidung von potenziell einer Million Dollar oder mehr pro Kandidat lediglich auf der Basis eines Pitches von wenigen Minuten treffen – kaum vorstellbar; denn wenn diese Unternehmensführer tatsächlich so “aus dem Bauch heraus” entscheiden würden, wären sie wohl kaum da hin gekommen, wo sie jetzt sind. Wahrscheinlicher ist, dass ihnen bereits vor der Sendung jeweils ein umfassender Businessplan sowie Kennzahlen zu Liquidät, Markt- und Umsatzpotenzial der vorgeschlagenen Geschäftsideen vorgelegt wurden und ihre Entscheidungen schon vor der Sendung feststanden. Auch wenn der Spannungsaufbau also weitgehend fiktiv sein dürfte, ist es trotzdem hochinteressant zuzusehen, wie sich Gründer und Investoren in der Pitching-Situation verhalten.

Als einer der Kandidaten in einem dieser für Reality-TV-Formate so typischen, von sentimentaler Emotionsmusik angeheizten “Schicksals”-Momente unter Tränen schildert, wie stark er trotz allen verlorenen Geldes an seine Geschäftsidee glaubt, fällt wieder einer der Sätze, die tonangebend sind für den “Shark Tank”, in den sich die Kandidaten begeben: “Don’t cry for money – it never cries for you.” Da ist sie wieder, die eiskalte Coolness des von unwiderstehlichem Pragmatismus getriebenen amerikanischen Unternehmertums. Man darf gespannt sein auf die Transformation, die diese Inszenierungsweise durchlaufen wird, um für das deutsche Fernsehen fit gemacht zu werden. In Einem immerhin erinnert Shark Tank an die deutsche Erfolgscastingshow schlechthin – RTLs Deutschland sucht den Superstar: Hier wie dort treten zur Belustigung des Publikums gelegentlich “Freak”-Kandidaten auf, die offenbar als reines Kanonenfutter für die Jury gedacht sind – in diesem Fall handelt es sich um verrückte Geschäftsideen, die offensichtlich keine Realisierungsmöglichkeit haben. Erkennen tut man solche Auftritte immer schon daran, dass die Kandidaten nicht wie die ernstzunehmenden in einem kurzen Einspieler vorgestellt, sondern der Jury direkt “zum Fraß vorgeworfen” werden. Dieter Bohlen würde sich freuen. Auch eher erheiternd ist der in der amerikanischen Version vorab eingeblendete Disclaimer, demzufolge sich die Pitches ausschließlich an die Jurymitglieder richten und den Fensehzuschauern keinerlei Investmentangebot für deren mühsam Erspartes gemacht werden soll – für die gilt vielmehr die Aufforderung “Please enjoy the show”. Mitdenken nicht erwünscht – reines Konsumieren ist angesagt. Ob auch VOX sich aus Gründen der rechtlichen Absicherung zu einer solchen Herabwürdigung des Publikums hinreißen lassen wird?

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