Filmkritik: The Monuments Men

monuments-menSpielfilme über den zweiten Weltkrieg, zumal amerikanische, schildern meist den Kampf von wahlweise heroischen GIs oder aufopferungsvollen Widerstandsksämpfern gegen immer ruchlose Nazis. George Clooney geht in seiner fünften Regiearbeit The Monuments Men einen anderen Weg. Wirklich?

Bislang unterbelichtet, obgleich mit viel Potenzial für spannende Filme über den zweiten Weltkrieg, sind die Geschichten, die hinter der Front spielen, in einer Welt, die sich in Auflösung, im Ausnahmezustand befindet und in der jeder seine Loyalitäten auf die letzte Konsequenz neu prüfen muss. Die Chance auf einen solchen Film gibt es mit The Monuments Men, und in einigen Passagen wird das Versprechen auch eingelöst, visuell zumal, dank beeindruckender CGI-Imaginationen zerstörter europäischer Stadtlandschaften und Baudenkmäler.

Eine hochinteressante Nebenperspektive eines solchen Films könnte dem logistischen Herkulesakt der amerikanischen Invasion gelten: All den in gigantischen Ausmaßen betriebenen, hinter den Gewaltexzessen der Front aber geschäftsmäßig wie in einer geölten Maschinerie ablaufenden militärischen Prozessen gelten. All das spielt sich bei Clooney jedoch nur im Hintergrund ab; er macht seine Hauptfiguren am Ende doch wieder zu den opferbereiten Kriegshelden, wie wir sie schon so oft gesehen haben. In einem Off-Kommentar seines Protagonisten wird die Parallele der Brigade zur Rettung von Beutekunst, der “Monuments Men”, zu den Frontsoldaten explizit gezogen. Es geht Clooney um eine nostalgische Rückschau auf ein Amerika, das sich sogar beim Führen seines Kampfes im größten anzunehmenden Krieg noch auf die humanistischen Ideale besinnt, die zu allen Zeiten doch eher für die rhetorisch-propagandistische Verbrämung viel handfesterer Kriegsinteressen herhalten mussten.

Dass die Brigade der “Monuments Men”, die bei der Selektion zu zerstörender Bauwerke gegenüber militärischen Belangen keinerlei Weisungsbefugnis hatten, im amerikanischen Bombenkrieg tatsächlich nur von geringer Bedeutung war, bleibt durch den einen oder anderen ironischen Seitenhieb aber selbst in Clooneys Feelgood-Pathos nicht verborgen.

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