Wieder gesehen: JFK – Tatort Dallas

In JFK – Tatort Dallas verbreitete der Verschwörungstheroretiker Hollywoods, Oliver Stone, seine bevorzugte “Wahrheit” über die Hintergründe des Attentats auf US-Präsident Kennedy am 22. November 1963. Damit machte er die breite Öffentlichkeit,  zumal in Deutschland, überhaupt erst mit den seit Jahrzehnten kursierenden Gerüchten vertraut. Doch rückblickend liegt die filmhistorische Bedeutung des Werks in einem anderen Aspekt.

Was mir, wenn ich den 1991 erschienenen Film heute wieder betrachte, auffällt, ist, dass er stilistisch eine Scharnierfunktion erfüllt zwischen dem Hollywoodkino der 80er Jahre und dem der 90er. Die Gesichter, die man sieht, sind die von den Stars, die in den 10 Jahren zuvor bekannt geworden waren: Kevin Kostner, Tommy Lee-Jones, Gary Oldman. Der JFK-Film hat aber nichts mehr von der Betulichkeit der Action- oder Romantic-Comedy-Filme, in denen man diese Darsteller kennen gelernt hatte. Vielmehr manifestiert sich der aufklärerische Ansatz des Films, der für sich in Anspruch nimmt, vertuschte Geheimnisse offen zu legen, in einer zuweilen fast experimentellen Machart aus schnellen, sprunghaften Schnitten, optischen Verfremdungseffekten und Sound Effects (alles zu Recht bedacht mit Oscars in technischen Disziplinen). Damit wirkt der Film moderner als das, was zuvor in Hollywood-Blockbustern zu sehen war, und scheint seiner Zeit sogar voraus gewesen zu sein. Es kündigt sich bereits die Stilistik an, die in den 90er Jahren weiterentwickelt wurde und seit den Filmen von Paul Greengrass (Die Bourne-Verschwörung) und Christopher Nolan (Inception) heute zum weit verbreiteten Vokabular des amerikanischen Mainstreamkinos zählt.

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