Was an der Lanz-Sendung eigentlich interessant war…

Nachdem die Markus-Lanz-Diskussion, ausgehend von den sozialen Netzwerken, inzwischen auch die klassischen Medien voll ergriffen hat, habe ich mir nachträglich mal das Streitgespräch zwischen Lanz, Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht und Stern-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges angesehen. Bemerkenswert war für mich dabei weniger die lanzsche Diskussionskultur, die den Stein des Anstoßes in der ganzen Debatte bildet. Denn die Art und Weise, wie er bemüht kritische, auf Schlagworte reduzierte Nachfragen stellt, entspricht der eher dümmlichen journalistischen Gesprächstechnik, wie sie für Talkshows dieser Machart durchaus typisch ist.

Viel interessanter fand ich es, den drei anderen, aus dem Schauspieler-Milieu stammenden Teilnehmern dieser Sendung zuzusehen, während sie den erhitzten Schlagabtausch sprachlos beobachteten und dabei feststellten, offenbar in der falschen Sendung gelandet zu sein. Ganz besonders deutlich drückte dies Moritz Bleibtreu in seiner Körpersprache aus: Auf den gefühlt immer unbequemer werdenden Sessel gefläzt, mit fortschreitender Diskussionsdauer immer öfter auf die Uhr schauend (“wann ist das hier endlich vorbei?”) und, als das Thema nach über einer halben Stunde endlich beendet war, mit einer an das Lanz-Team gerichteten Meta-Bemerkung, die auf grandios ironische Art und Weise die ermüdende Wirkung der Diskussion zusammenfasst, aufseufzend: “Kann ich einen Wein haben? Eigentlich wollte ich keinen Alkohol trinken, aber das brauche ich jetzt.”

 

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