Die Kunst der metaphorischen Zuspitzung: Die Karikaturen des Heiko Sakurai

Heute möchte ich einen meiner Lieblingskarikaturisten würdigen. Die Zeichnungen des 42jährigen Heiko Sakurai erschienen schon in vielen der renommiertesten überregionalen Tageszeitungen Deutschlands, wie der “Welt”, der “Berliner Zeitung”, der “Financial Times Deutschland” (bis zu deren Verscheiden) oder auch im Politmagazin “Cicero” (seit einigen Jahren veröffentlicht er seine gesammelten Karikaturen auch als Jahresbände). Es gelingt ihm wie kaum einem anderen, das Groteske und Absurde, das bei genauem Hinsehen hinter vielen Pressemeldungen des Alltags steht, aufzuspießen und humoristisch zuzuspitzen. Dabei hilft dem gebürtigen Recklinghausener sein nordrhein-westfälisch-unbekümmerter Humor ebenso wie die Kenntnisse aus seinem Studium der Germanistik, Geschichte und Politik an der Universität Münster.

Stilistisch bewegt er sich an der Schwelle zwischen klassischer Karikatur und Comic – verwendet er doch Stilmittel, die traditionell eher dem Comic zuzuodnen sind (Sprech- und Denkblasen, Bewegungslinien, kleine Geschichten, die über mehrere Panels hinweg erzählt werden). Dadurch sind seine Zeichnungen optisch leichter konsumierbar und helfen dem Betrachter, sich auf die Botschaft zu konzentrieren – die des öfteren gar nicht so einfach zu entschlüsseln ist, oft von bissiger Satire geprägt wird und immer geistreich daherkommt.

Am besten sind seine Miniaturcomics, wenn sie die bildlich dargestellte Nachrichtenmeldung gleichnishaft oder metaphorisch verfremden – um so den hintergründigen Gehalt des Geschehens – oft mit kritischem Unterton versehen -offenzulegen. Sei es, wie abgebildet, der ukrainische Präsident Janukowitsch, der von Wladimir Putin gewaltsam als Korken in einer vor revolutionärem Druck fast platzenden Flasche gehalten wird, sei es die Darstellung des Bundesrats als Cowboy mit NPD-Verbotsantrag im Pistolenhalfter, während sich mit Bundesregierung und Bundestag alle anderen Verfassungsorgane in ihren Häusern verschanzen, oder sei es die Aufarbeitung des TV-Streits zwischen SPD-Parteichef Gabriel und ZDF-Journalistin Slomka als Kinderstreit in der Kita – immer ist es das Heben des Geschehens auf eine neue Ebene, indem ein bekannter Vorgang in einen verqueren, auf symbolischer Ebene aber wesensverwandten neuen Kontext gestellt wird. Auf den morgigen Beitrag von Heiko Sarukai freue ich mich schon.

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Eine Antwort auf Die Kunst der metaphorischen Zuspitzung: Die Karikaturen des Heiko Sakurai

  1. Heiko sagt:

    haha! da hast du völlig Recht! Der Comic hier: http://sakurai-cartoons.de/images/g_weisserrauch.gif war mindestens 2 Monate bei mir Bildschirmhintergrund :)

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