Facebook liest deine SMS mit

Vermutlich wäre dieses Update noch vor nicht allzu langer Zeit völlig ohne Aufsehen durchgegangen. Aufgrund der Enthüllungen Edward Snowdens zu Geheimdienstskandalen und Massenüberwahung hätte sich Facebook aber keinen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können, um seiner Android-App via Update die Berechtigung zum Abhören zahlreicher zusätzlicher Kommunikationsbestandteile des Nutzers zu sichern. Die gesteigerte Sensibilität der Nutzergemeinde ist zunächst einmal eine gesunde Entwicklung – offenbart jedoch auch den Ausmaß des Vertrauensverlusts, den das Internet als Medium insgesamt erlitten hat.

Die App will nun auch SMS und MMS lesen, Kalendereinträge lesen und ändern, E-Mails selbständig versenden sowie, so die lapidare Forumlierung, “vertrauliche Informationen lesen” können. Android ist schuld, heißt es aus dem Umfeld der Facebook-Softwareentwicklung – da das System keine feiner abgestufte Rechtevergabe erlaube und man doch lediglich ganz gezielt bestimmte Funktionen ansteuern wolle, etwa um die Facebook-Authentifizierungs-SMS automatisch auswerten zu können, diese Rechte aber nicht spezifisch ansprechen könne (im genannten Beispiel also die Auswertung von SMS nur eines bestimmten Absenders).

Der Fall offenbart, wie sehr das ohnehin angekratzte Vertrauen an die als “Datenkraken” verschrienen Internetdienstleister wie Google oder Facebook, durch die Überwachungsaffäre noch mal gelitten hat. Die Skepsis ist verständlich und angebracht: Wie soll man in diesen Zeiten glauben können, dass Facebook allein aufgrund freiwilliger Selbstbeschränkung nur die beschriebenen Daten auswertet und der Versuchung widersteht, auch die anderen offenstehenden Möglichkeiten zu nutzen? Anstatt wie Google bei Android die Inidividualisierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Rechte, die einzelne Apps erhalten, weiter einzuschränken, wären noch granularere Einstellungsmöglichkeiten angesagt, um das verloren gegangene Vertrauen wieder zu verbessern (von “Wiederherstellen” mag ich in diesem Zusammenhang gar nicht reden, ich heiße ja nicht Ronald Profalla).

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2 Antworten auf Facebook liest deine SMS mit

  1. Es ist ja nicht mal nötig, dass Facebook, Google & Co. wirklich die freiwillige Selbstbeschränkung missachten wollen, sie können schließlich per National Security Letter schlicht gezwungen werden, erhobene Meta-Daten preiszugeben.

    • Und genau das ist der Kern der ganzen Malaise: Als halbwegs aufgeklärter Normalnutzer ist es nahezu nicht machbar, zu beurteilen, welcher Infrastruktur man noch trauen kann. Die momentane Rechtslage macht es unmöglich, dass die auf dem Massenmarkt vertretenen Technologien und Service-Dienstleister verlässlich sagen können, ihr Angebot sei vor dem Zugriff der Geheimdienste geschützt. Es fehlt halt eine verfassungsmäßige Definition der zu schützenden Privatsphäre im digitalen Bereich. Eine Diskussion wie damals beim “großen Lauschangriff” wäre angebracht, bleibt aber bislang aus. Vielleicht auch deswegen:

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