Der lange Abschied von “Fashion Hero”

Da hatte man schon geglaubt, der Casting-Wahn im deutschen Fernsehen hätte seinen Höhepunkt überschritten, da folgte Claudia Schiffer ihrer Topmodel-Kollegin Heidi Klum in die seichten Show-Gewässer mit einer Abwandlung des Konzepts: Statt jungen Damen, die sich Hoffnungen auf eine Model-Karriere im Bugwasser ihres großen Vorbilds machen, stellt Schiffer in Fashion Hero Menschen vor, die in sich einen unentdeckten Modeschöpfer wähnen und ihre Kreationen von nunmehr namenlosen Models vorführen lassen (übrigens gab es auch diese Variante, ebenfalls von Konkurrentin Heidi Klum präsentiert, schon einmal – und zwar als Project Runaway im US-Fernsehen) .

Die Rolle der unvermeidlichen Jury wird in diesem Format übernommen durch eine Riege Mode-Handelsvertreter von Unternehmen wie s.Oliver oder Karstadt, die echtes Geld auf die präsentierten Kleider setzen und diese im Falle eines Zuschlags tatsächlich bereits am nächsten Tag im Kaufhaus feilbieten. …Wenn sie denn überhaupt bieten. Der Vertreter der chronisch klammen Kaufhauskette Karstadt handelte sich bei Twitter schnell den Kosenamen “Schweizer Motzkopf” ein, da er bis zur letzten Modeschau keinen Cent für die Entwürfe geboten hatte. Und Claudia Schiffer? Sie zählt zu einer illustren Runde von “Mentoren”, die in ihrem Auftreten alle Klischees der Modebranche in sich vereinen. Sie sitzen auf cremefarbenen Drehstühlen und sagen Expertensätze wie “Oh nein!” (Claudia Schiffer), “Suuupersexy – sexy is my middle name!” (Sascha Lilic), “Das ist genau mein Look, wirklich!” (Uta Hüsch), “Ja, das ist toll!” (Schiffer), “sehr, sehr toll” (Lilic). Ihr Job ist es, optimistisch zu sein, das extreme Talent jedes einzelnen Designers herauszustellen und ihm oder ihr eine große Zukunft vorauszusagen. Vor allem dann, wenn der deutsche Markt kein Interesse zeigt und dem Kandidaten sein Todesurteil ausstellt: “Was wir hier sehen, ist nicht Kaufhaus, das ist Boutique.”

Damit ist die Sendung niveaumäßig nicht besser oder schlechter als alle anderen mehr oder minder erfolgreichen Casting-Formate des deutschen Fernsehens. Allein: Kein Erfolg beim Publikum, weit und breit. Nach wenigen Folgen fiel die Quote unter eine Million Zuschauer und 5,5 Prozent Marktanteil – in der Hauptsendezeit eine echte Katastrophe für den ausstrahlenden Sender ProSieben. Kein Wunder, dass man nun reagiert: Schon ab kommender Woche wird Fashion Hero statt um 20:15 erst um 22:20 Uhr ausgestrahlt – und das in einer von 130 auf 60 Minuten weniger als halbierten Rumpffassung (in voller Länge gibt es die Sendung nur noch sonntagnachmittags auf dem Minisender sixx). Eine Demütigung, die fast noch schlimmer erscheint als es eine sofortige Absetzung gewesen wäre.

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