Die Simpsons als Instrument der generationenübergreifenden Identitätsstiftung

Blick in den Spiegel: Bart Simpson, der jugendliche Held der Serie, avanciert zum cartoonesken Alter Ego seiner jüngsten Fans.

“Subversion zur Primetime” – so heißt der Untertitel des Standardwerks von Filmwissenschaftler Andreas Rauscher et al., in dem die Fernsehserie The Simpsons als ein die Gesetze der amerikanischen Sitcoms und der darin transportierten familiären Werte untergrabendes Comedy-Format beschreibt, dessen vielfältiger Zitat- und Bezugsrahmen nur mit einem hohen Grad an Allgemeinbildung und Kenntnis der Popkultur US-amerikanischer Prägung zu entschlüsseln ist. Um so überraschender ist, dass die Serie, die in Deutschland vielfach als Kindersendung missverstanden wurde, tatsächlich auch für die Kleinsten prima funktioniert. Ein Selbstversuch.

The Simpsons ist die einzige Sendung, die in unserer Familie sowohl den zweijährigen Sprössling wie auch seine medienwissenschaftlich vorgebildeten Eltern gleichermaßen begeistern kann. Für den Jungen ist das abendliche Betrachten der Serie sogar vielfach der über Stunden herbeigesehnte Höhepunkt des Tages.

Es ist wohl zu kurz gegriffen, nur die cartoonhafte Optik der Zeichentrickserie dafür verantwortlich zu machen, dass sie offensichtlich auch ohne das Verständnis all der Anspielungen und Insider-Gags bestens unterhalten kann. Wichtiger noch ist das präzise Timing der Slapstick-Elemente und die hohe Dichte an Action-Elementen, die eine Grundspannung erzeugen, die vom Verständnis der Handlungsebene unabhängig ist.

Am bedeutsamsten aber scheint mir schlicht die Figurenkonstellation, die eine für Kleinkinder vertraute Alltagserfahrung reproduziert: Eltern, Großeltern, Geschwister, (Schul-)Kameraden, Nachbarn: Rolle und Funktion der Protagonisten ergeben sich selbsterklärend aus der Situation heraus. Somit bietet die Serie ein perfektes Identifikationspotenzial auch für die Jüngsten. Bester Beweis dafür: Marge und Homer Simpson werden von unserem Söhnchen stets lautstark als “Oma!” und “Opa!” bezeichnet, da sie ihn optisch an seine eigenen Großeltern erinnern. Warum ich selbst im gleichen Atemzug dann ausgerechnet mit, nun ja, Ned Flanders gleichgesetzt werde, erscheint mir allerdings schon weit weniger eingängig ;-)

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