Jorge Colombo: “Echte” Malerei mit dem Smartphone

Einen schönen Beitrag zur Frage, ob das Leben die Kunst imitiert oder umgekehrt, liefert der New Yorker Künstler Jorge Colombo mit seinen Bildern, die verblüffend wie Öl- oder Aquarellmalerei aussehen, tatsächlich aber ganz ohne Pinsel und Leinwand auskommen, sondern gewissermaßen rein virtuell nur mit dem eigenen Finger erstellt wurden – und dem Touchscreen des iPhone. Colombo setzt dafür die Malerei-App “Brushes” ein, um seinen Malstil ins elektronische Zeitalter zu überführen.

(c) www.jorgecolombo.com

Immer wieder portraitiert er dabei seine Heimatstadt und präsentiert New York als Metropole, in der sich Industriemerkmale aus 150 Jahren vermischen. Besonders charakteristisch sind dabei die großen Wassercontainer auf den Dächern, denen man auf den Bildern als wiederkehrendes Motiv immer wieder begegnet. Sie stehen für Colombo symbolisch für die urbane Zivilisation von New York City.

Es ist gewissermaßen ein Blick von außen, den der gebürtige Portugiese auf seine Stadt wirft: Als Betrachter ist man nie wirklich Teil des Geschehens, es besteht immer eine gewisse Distanz zum Dargestellten – damit erinnern seine Bilder auch an die voneinander und vom Betrachter isolierten Figuren in der Malerei von Edward Hopper. Anders als bei Hopper sind bei Colombo jedoch keine Individuen zu erkennen. Wenn Personen sichtbar sind, dann nur schemenhaft, klein, als Staffage. Der Hauptdarsteller ist die Stadt selbst mit ihren Gebäuden, Taxis, Cafés und Dienstleistungsbetrieben. New York konstutiert sich, bei Colombo wie bei Hopper, erst im kontrastreichen, von elektronischer Beleuchtung erhellten Dämmerlicht der Nacht – in den Bildern des Portugiesen noch stärker als dunstige, qualmige, dampfige Industriestadt.

“iSketches” nennt Colombo selbst seine iPhone-basierten Werke – und betreibt damit gekonntes Understatement, stellen die Bilder doch bei Weitem nicht nur flüchtige Skizzen, sondern eine der konkretest denkbaren Verbindungen zwischen Kunst und Technologie dar. Das iPhone war von seinem Erfinder Steve Jobs von Beginn an immer als Mittler zwischen Informationstechnologie und schönen Künsten gesehen worden: Als harmonische Verbindung von Computertechnik und Design. Dieses Bedürfnis könnte kaum treffender zum Ausdruck gebracht werden als in der Computermalerei Colombos, die sich vollständig von jeder Computer-Optik löst und keine Pixel mehr erkennen lässt, sondern nur noch – virtuelle – Pinselstriche.

Es ist ganz erstaunlich, dass sich so detailgenaue Malerei mit den Möglichkeiten des iPhone erzielen lässt. Wie das funktioniert, zeigt dieser Videobeitrag von Spiegel online.

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