14 Stunden Fernsehen am 2. Weihnachtstag – was lohnt sich wirklich?

Mit einem Klassiker beginnt der lange Fernsehtag um 13:00 Uhr auf Kabel Eins: George Pals Verfilmung von Die Zeitmaschine ist gleichermaßen Hommage an den 1895 erschienen Roman von H. G. Wells wie Verarbeitung der Atomkriegs-Angst der 50er Jahre – die Erzählung um die Zukunft der Menscheit als êine Spezies, die in eine degenerierte Herren- und eine willenlose Sklavenrasse gespalten ist, wäre darüber hinaus auch sehenswert als Parabel, in der sozialistische Klassenkampf-Ideen zugespitzt zu Ende gedacht werden.

Geruhsamer geht es um 14:20 weiter mit der letzten von vier Neuverfilmungen bekannter Märchenklassiker, die von der ARD zur Weihnachtszeit ausgestrahlt werden: Die Sterntaler, von den Gebrüdern Grimm um 1810 als Allegorie eines vorbildlichen und barmherzigen christlichen Lebens verfasst, erfährt in der aufwändigen Bavaria-Produktion, die sich bewusst an Kinder und Erwachsene richtet, eine behutsame Aktualisierung. Gleich im Anschluss, 16:15 Uhr: Wer am 1. Weihnachtstag schon den ersten Teil der vielgelobten Neuverfilmung des Selma-Lagerlöf-Klassikers Nils Holgersson gesehen hat, sollte auch den abschließenden 2. Teil nicht versäumen.

RTL setzt in seinem Nachmittagsprogramm ganz auf die sichere Bank: Robert Zemeckis’ weihnachtliche Tom-Hanks-Animation Der Polarexpress, Steven Spielbergs E. T. – der Außerirdische und gleich zwei mal Ice Age bieten massenwirksames und mitunter rührseliges Feiertags-Entertainment.

Je weiter es in den Abend geht, desto härter wird der Quotenkampf um die Freizeit der Suschauer zwischen den Sendern ausgetragen: Eröffnet wird der Reigen um 19:05 mit einer mehr oder weniger weihnachtlichen Ausgabe der Kuppel-Show Bauer sucht Frau auf RTL. Die RTL-Gruppe setzt auch via VOX um 20:15 unerbittlich auf Unterhaltung: 7 Zwerge – Männer allein im Wald bildet einen Gegenpol zur ambitionierten Märchenreihe der ARD und versammelt die gesamte deutsche Blödel-Elite von Otto Waalkes über Tom Gerhardt und Mirco Nontschew bis hin zu Harald Schmidt in einem zu lang geratenen Comedy-Sketch – das erfordert wirklich Stehvermögen. Comedy von ganz anderem Niveau bietet Arte mit der Western-Parodie Im wilden Westen aus dem Jahr 1937, die zum Besten gehört, was das Komiker-Duo Laurel und Hardy je herausgebracht hat. Wer zu Weihnachten aber weniger lachen als schmachten möchte, wird zeitgleich auf RTL bedient mit Nicole Kidman und Hugh Jackman in Baz Luhrmans dreistündigem Historien-Epos Australia.

In der ProSiebenSatEins-Gruppe kennt man zu Weihnachten keine Freunde: Mit Shrek der Dritte (ProSieben) und Fluch der Karibik – bis ans Ende der Welt (SatEins) lässt man zwei Erstausstrahlungen absoluter Blockbuster gegeneinander antreten. Bei beiden handelt es sich bereits um die wiederholte Fortsetzung eines Kassenschlagers – als Sequel gelungener ist die anspielungsreiche Märchen-Persiflage Shrek.

Steven Spielberg kehrt zurück – auf RTL2, das ebenfalls zur Prime Time mit der x-ten TV-Ausstrahlung von Schindlers Liste ganz auf Betroffenheit und Anspruch setzt. Auch das ZDF fährt mit der altbewährten Soap-Kombi Das Traumschiff (20:15) und dessen Spin-Off Kreuzfahrt ins Glück (21:45) eher Hausmannskost auf.

Beschließen kann man den Abend spät um 1:20 Uhr mit Steven Soderberghs spannendem Comedy-Drama Erin Brockovich, in dem Julia Roberts mal wirklich zur Hochform aufläuft.

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