Back to the Future – eine fotografische Reise in die eigene Jugend

Vor einiger Zeit beschrieb ich das Youtube-Phänomen der Progressive Portraits – Zeitrafferaufnahmen von täglich aufgenommenen Personenaufnahmen, in denen die Jahre innerhalb von Sekunden dahinfliegen. Die in Argentinien geborene internationale Starfotografin Irina Werning hat ein Projekt gestartet, das im Betrachter ein ähnlich irritierendes Moment bewirkt. In der Fotoserie “Back to the Future” finden sich jeweils zwei Aufnahmen einer Person am gleichen Ort, in der gleichen Haltung, mit gleichem Gesichtsausdruck und in gleicher Kleidung – aber um viele Jahre gealtert.

Back to the Future von Irina Werning

Aufnahmen aus dem "Back to the Future"-Projekt. Quelle: irinawerning.com

Werning forderte Freunde und Bekannte auf, Fotografien aus Kindheit, Jugend oder jungem Erwachsenenalter Jahrzehnte später zu wiederholen – heraus kamen Bilder voller Leichtigkeit und Ironie, die aber auch alle Merkmale der menschlich-physiologischen Reifung im direkten Vergleich unmittelbar erfahrbar machen und somit auf die Vergänglichkeit aller Jugend verweisen. Die Kindheit erscheint in diesem Werk als ein flüchtiger, kurzer Moment, der den Rest des Lebens für immer verloren sein wird. Was die Bilder freilich auch aussagen, ist die über Jahre hinweg sich herausbildende Individualität aus weitgehend gleichförmig aussehenden Kindergesichtern. Was “Back to the Future” daher in erster Linie transportiert, ist eine Feier der Vielfalt des Lebens: Jeder Mensch ist einmalig, seine nur ihm gehörende Biographie mit all ihren Erfahrungsschätzen formen unweigerlich auch sein Äußeres und spiegeln sich darin wieder.

Die abgebildeten Aufnahmen entstanden 2011 innerhalb einer zweiten Fotoserie, in der Irina Werning die Idee ein Jahr nach ihrem ursprünglichen Projekt erneut umsetzte.

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