8 Merkmale des “Social Learnings”

Social Learning

Das Konzept des "Social Learnings" stellt die aus sozialen Netzwerken bekannten Nutzungsgewohnheiten in den Kontext der Wissensarbeit.

Der Begriff des “Wissensarbeiters” geistert immer wieder durch die Managementliteratur. Die Definitionen dafür sind Legion, oft handelt es sich dabei um eher theoretische Modelle und Visionen ohne konkreten Praxisbezug. Die britische E-Learning-Expertin Jane Hart hat den Begriff jetzt in einen neuen Kontext gestellt: Durch die steigende Verbreitung von Social-Media-Tools hat sich der Informationsbeschaffungsprozess des typischen “Wissensarbeiters” gewandelt. Unter Rückgriff auf das Konzept des “lebenslangen Lernens” arbeitet sie acht Rahmenbedingungen heraus, unter denen denen Beschäftigte in wissensintensiven Berufen heute lernen und arbeiten:

  1. Wissensarbeiter sind sich bewusst, dass sie kontinuierlich bei der Arbeit lernen. Sie dabei zu unterstützen bedeutet, informelles Lernen zu wertschätzen und das kontinuierliche Lernen im Arbeitsprozess zu fördern. E-Learning-Kurse werden im Intranet frei zugänglich gemacht.
  2. Wissensarbeiter wollen schnellen Zugang zu Lösungen. Schnelle Hilfen wie Performance-Support und Microlearning statt längerer Kurse sind gefragt. Auch Informationen zu vertrauenswürdigen Ressourcen im Social Web können helfen.
  3. Wissensarbeiter teilen ihr Wissen gerne. Unternehmen sollten sich darauf einlassen und Plattformen zur Verfügung stellen, auf denen sie sich vernetzen können. Die Inhalte werden von der Gruppe moderiert, nicht von einer anderen Instanz.
  4. Wissensarbeiter verlassen sich auf ein vertrautes Netzwerk von Freunden und Kollegen. Unternehmen können sie dabei unterstützen, externe und interne persönliche Wissensnetzwerke aufzubauen. Für die externen Netzwerke kommen bestehende Social Networks wie Xing oder LinkedIn in Frage.
  5. Wissensarbeiter lernen am meisten mit und von anderen. Organisationen können nur den Rahmen für Diskussionen und Gespräche zur Verfügung stellen. Social Learning passiert nicht in formellen Kursen, sondern in informellen Online Social Learning Communities, wo Erfahrungen und Wissen ausgetauscht werden. Mentoring als ein informeller Weg des Austausch von Wissen und Fähigkeiten wird gefördert.
  6. Wissensarbeiter wollen wissen, was in ihrem beruflichen Umfeld passiert und immer aktuell informiert sein. Unternehmen können sie bei ihrem persönlichen Wissensmanagement unterstützen und zum Beispiel Filter gegen den Information-Overload installieren oder sie dazu ermutigen, Inhalte zu kuratieren und zu veröffentlichen.
  7. Wissensarbeiter streben danach, ihre Produktivität zu verbessern. Unternehmen können sie dazu ermutigen, ihre bevorzugten Tools und Technik (Tablets, Laptops..) zu benutzen und Workflow-Audits durchführen, um neue Hilfen zu identifizieren.
  8. Wissensarbeiter streben nach Autonomie. Wichtig ist nicht nur, ob sie ihren Job ausüben können, sondern wie sie ihn noch besser machen können. Wenn sie genügend Selbstvertrauen besitzen, kann man sie dabei in Ruhe lassen und ihnen helfen, wenn sie es brauchen. Anderen, die nicht soviel Selbstvertrauen haben, sollte man dabei helfen, es zu gewinnen. Wissensarbeiter sind sich bewusst, dass Lernen ein Ziel hat: die Leistung zu steigern.
(zit. n. “Social Learning erfordert einen kulturellen Wandel im Unternehmen“, HAUFE.personal 2011)

Diesen Thesen liegt die Annahme zugrunde, dass der immer selbstverständlicher werdende Einsatz des individuellen Netzwerks zum Austausch von Informationen über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Youtube, Flickr & Co, welche die “Wissensarbeiter” vor allem im privaten Lebensbereich  kennen und nutzen gelernt haben, zu einer grundlegenden Bewusstseinsänderung führt, die auch den beruflichen Arbeitsalltag verändern wird. Auch wenn noch nicht alle der genannten Merkmale so schon die Unternehmenswirklichkeit prägen, so zeigen sie doch die Richtung auf, in die Wissensmanagement und Mitarbeiterbildung sich werden entwickeln müssen, je mehr “Digital Natives” sich in den verschiedenen Berufswegen etablieren.

Dieser Beitrag wurde unter E-Learning, Information Retrieval, Wissensmanagement abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.