“Die Braune Armee Fraktion” – Zum Einsatz visueller Klischeebilder in der gegenwärtigen Terrorismus-Berichterstattung

Von Behörden und Medien verbreitete Abbildung der beiden Schlüsselfiguren der "Zwickauer Terrorzelle"

Derzeit durchweht die Republik ein Hauch der Terrorismus-Paranoia der 70er Jahre, nur dass sich der Blick der Behörden nun nach rechts wendet statt nach links. Interessant finde ich, dass die Berichterstattung sich visuell stark an die Optik der damaligen Zeit anlehnt. Warum werden die Tatverdächtigen immerzu mit qualitativ schlechten Schwarzweißfotos abgebildet, wo doch heute garantiert besser auflösende Farbaufnahmen vorliegen? Die Behörden müssen zudem sicher lange suchen, bis sie Fotos finden, auf denen die Personen so düster dreingucken wie bei diesen Beispielen – sicher kann man davon ausgehen, dass auch die Tatverdächtigen bei den meisten privat gemachten Portraitaufnahmen eher lächeln werden.

In diesem "Spiegel"-Titelbild wird die Bezugnahme zum Linksterror der RAF explizit gemacht

Bei den Fahndungsfotos und ebenso bei der darauf basierenden Medienberichterstattung, die deren Ästhetik übernimmt, geht es ganz offensichtlich, damals wie heute, auch um eine Art Dämonisierung, um einen fotografischen Effekt, der die Botschaft vom gewaltbereiten Kriminellen unterstützt. Dabei handelt es sich – Filmwissenschaftler würden das bestätigen – um ein genuines dramaturgisches Mittel audiovisuellen Erzählens. Das Beispiel macht somit eine Problemstellung deutlich, die daraus entsteht, dass Nachrichtenmedien für die Übermittlung ihrer Botschaft auch auf Mittel angewiesen sind, die nicht ursprünglich zum Zwecke der dokumentarischen Berichterstattung geschaffen wurden, sondern aus dem fiktionalen Bereich stammen; letztlich geht es dem Nachrichtenjournalisten ebenso wie dem Spielfilmregisseur darum, eine “Geschichte” seinem Publikum bestmöglich zu vermitteln.

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Eine Antwort auf “Die Braune Armee Fraktion” – Zum Einsatz visueller Klischeebilder in der gegenwärtigen Terrorismus-Berichterstattung

  1. Nadja Kleinod sagt:

    ist nicht unbedingt das beste beispiel um manipulative bilder bzw. die wirkung von bildern zu mahnen…

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