Netspeak – praktische Formulierungshilfe für englische Texte

Die “Webis-Gruppe” (Institut für Webtechnologie und Information Systems) an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar, die von dem Informatik-Professor Benno Stein geleitet wird, beweist immer wieder, was anwendungsorientierte Forschung im besten Sinne bedeuten kann. Im Bereich Information Retrieval hat sie bereits mehrfach mit innovativen Projekten auf sich aufmerksam gemacht, beispielsweise durch das Social-Media-Textanalyse-Tool OpinionCloud. Jetzt hat die Gruppe einmal mehr ein Werkzeug herausgebracht, das im Arbeitsalltag tatsächlich nützliche Dienste leisten kann: In die Sprachsuchmaschine Netspeak kann man englischsprachige Sätze eingeben, von denen man unsicher ist, wie diese in gutem Sprachgebrauch fortgesetzt werden – und die Maschine füllt die Lücke. Wenn man beispielsweise seit Tagen auf die Antwort eines Geschäftspartners in den USA wartet: Wie sagt man noch gleich: “I am waiting  for response?” oder besser “for your response?” oder war es “on response?” Die Eingabe “waiting * response” liefert hilfreiche Hinweise: In dem zugrundeliegenden Textkorpus – frei verfügbare Community-Texte wie Wikipedia oder journalistische Quellen wie cnn.com – wird die Kombination “waiting for a response” mit Abstand am häufigsten genutzt, noch vor “waiting for response” und “waiting for your response”. Netspeak gibt dazu jeweils die absolute Zahl der Vorkommen im Korpus sowie die relative Häufigkeit in Prozent an. Mit Hilfe eines oder zweier Lückenfüller (“waiting ? response” bzw. “waiting ?? response”) wird, im Unterschied zum Asterisk, der beliebig viele Worte ersetzt, genau nach einem bzw. zwei Worten gesucht. So erhält man die Auskunft, dass die neutrale Wendung “waiting for a response” offenbar weitaus gängiger ist als die direktere Variante “waiting for your response”.

Nützlich sind auch die Möglichkeiten, die richtige Wortstellung herauszufinden (statt “only for members” heißt es in 76% der Nennungen “for members only”) und die Option, gebräuchliche Synonyme innerhalb gegebener Satzstellungen zu recherchieren (um beim einführenden Beispiel zu bleiben: Mit der Eingabe “waiting * ~ response” erfährt man, dass “waiting for an answer” und “waiting for a reply” gängiger sind als etwa die Formulierung “waiting for your response”).

Leider gibt es dieses Tool bisher nur für den englischen Sprachraum. Auch der mit kostenfreien Wörterbuch-Inhalten runderneuerte Internetauftritt des Duden-Verlags hat das – trotz einiger nützlicher deutscher Sprach-Features – (noch) nicht zu bieten, obwohl das gigantische Textkorpus des Verlags genau solche Abfragemöglichkeiten wie oben geschildert sicher in mindestens ebenso guter Qualität für den deutschen Sprachraum hergeben würde. Hier bleibt man allerdings offenbar noch bei seiner Strategie, gewisse Kernkompetenzen nur für bezahlende (Geschäfts-)Kunden bereitzustellen.

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