Duden online – jetzt kostenlos nachschlagen

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Der Verlag Bibliographisches Institut, zu dem neben der Marke Meyers und den Kalenderverlagen Harenberg, Heye und Weingarten auch der Duden gehört, hat sein Internetangebot unter www.duden.de grundlegend überarbeitet. Wichtigste Neuerung: Das Nachschlagen in den Online-Wörterbuch-Inhalten, das bisher nur in einer wenige Wörter umfassenden Preview kostenfrei verfügbar war und die Artikel-Volltexte zahlenden Abonnenten vorbehielt, wurde nun in einer erweiterten und deutlich aufgewerteten Version komplett freigeschaltet. Ohne vorherige Registrierung kann nun der gesamte “für die deutsche Sprachgemeinschaft bedeutsame Wortschatz” (Verlagsangabe) online nachgeschlagen werden. Nachdem der Stuttgarter Klett-Verlag mit einem einsprachigen Angebot zur deutschen Rechtschreibung unter pons.eu bereits vor über anderthalb Jahren ein werbefinanziertes Angebot online gebracht und somit in den Gründen des Orthografie-Platzhirschs gefischt hatte, hat Duden nun mit einem Angebot nachgezogen, das sich wirklich sehen lässt.

Duden online - Artikel zum Stichwort "Pferd"

Grundangaben zu Rechtschreibung, Aussprache und Bedeutung bilden die Basis, zu vielen Wörtern finden sich darüber hinaus Angaben zur Herkunft, Grammatik-Tabellen, Synonyme, Beispiele und Wendungen – alles in einer visuell ansprechenden und gut am Bildschirm lesbaren Form. Besonders praktisch: Die Unterscheidung unterschiedlicher Bedeutungsvarianten anhand von Abbildungen, ähnlich einem Bildwörterbuch. So kann man beispielsweise beim Stichwort “Pferd” (siehe Abbildung) direkt auf einen Blick sehen, ob man Informationen zum Tier, zur Schachfigur oder zum Turngerät gleichen Namens abrufen möchte. Auch mit akkustischen Aussprachebeispielen zeigt sich Duden auf dem multimedialen Stand der Zeit. Ein Info-Icon unter jedem Stichwort gibt zudem an, wie gängig das nachgeschlagene Wort in deutschsprachigen Textquellen ist (“Worthäufigkeit”) – eine Information, die so nur der Duden mit seinem gewaltigen Textkorpus bieten kann und mit der er diesen Vorteil nun direkt online ausspielt. Das gilt ebenso für das neue Feature der “typischen Wortverbindungen”, das in Form einer Tag-Cloud anzeigt, in Verbindung mit welchen Verben, Adjektiven oder Substantiven das jeweilige Wort oft verwendet wird; alles nützliche Informationen für Menschen, die viel mit Texten arbeiten. Als erheiterndes Beispiel sei das Wort “Ausschnitt” erwähnt, das häufig in Zusammenhang mit den Substantiven “Bild” und “Interview”, aber ebenso mit den Verben “tragen”, “vergrößern” und “schielen” verwendet wird – wodurch die unterschiedlichen Bedeutungsdimensionen hinreichend deutlich werden dürften.

Neben der zusätzlich angebotenen Möglichkeit, ganze Textpassagen auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen zu lassen, bildet das Online-Wörterbuch den Kern des neuen Internetportals. Informationen über den Verlag und seine sonstigen Geschäftsbereiche, z. B. aus dem Kinder- und Schulbuchbereich, rücken demgegenüber in den Hintergrund bzw. wurden ganz ausgelagert (www.duden-schulbuch.de). Durch diese konsequente Ausrichtung auf Funktionalität und Nutzwert gewinnt der Auftritt deutlich an Übersichtlichkeit, der User wird schnell und einfach zur Antwort auf seine Frage zur deutschen Sprache geführt.

Mit diesem Strategiewechsel verfolgt der Verlag offenbar das Ziel, nicht länger zu versuchen, durch den Verkauf von Online-Inhalten an Endkunden direkt Geld zu verdienen, sondern den Kostenlos-Content als “Magnet” für eine möglichst große Reichweite zu nutzen, die wiederum in Umsätze im Online-Shop (der überall in den Artikeln prominent beworben wird) und im Firmenkundenbereich (hier werden neben speziellen, werbefreien Nachschlagelösungen für Intranets insbesondere Lösungen zur automatischen Rechtschreibkorrektur für CMS und andere Produktionssysteme angeboten) umgemünzt werden sollen. Da das Portal informativ und angenehm zu nutzen ist (und auch Suchmaschinen reichlich Futter geben dürfte), könnte das ein durchaus Erfolg versprechender Ansatz sein.

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2 Antworten auf Duden online – jetzt kostenlos nachschlagen

  1. Wieso kommt mir das Konzept nur so unendlich bekannt vor?

  2. Hmmm… mir kommt das Konzept kommt auch irgendwie bekannt vor.
    Danke für diese gute und interessante Rezension!

    Rainer Stahlmann

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