Echtes “Social Reading” im neuen eBook-Shop von Google

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So sieht der deutsche eBookstore zum Start aus

Mit seinem jetzt neu gestarteten eBook-Shop erweitert Google seine Buchsuche, in der bisher nur gemeinfreie Bücher direkt online zu lesen waren, um kommerziell vertriebene Inhalte (nähere Angaben zum Umfang des Buchshops gibt es bei heise online und beim Wall Street Journal; “So funktioniert Google eBooks” ist eine Einführung von Google selbst).

Mit dem Ansatz, einerseits geräteoffene Standards wie Epub und PDF zu verwenden  und andererseits dem User auch eine web-basierte Bibliothek zur Verfügung zu stellen, ist Google wieder mal als erster auf dem Markt mit einer Lösung, die sich viele internetaffine Buchliebhaber seit langem wünschen: Die eigene Bibliothek ständig und ortsunabhängig verfügbar zu haben und auch bei Umzügen nicht mehr Bücher schleppen zu müssen – die vollständige Virtualisierung des Mediums Buch also. “Soziale Funktionen” runden das Angebot ab: Man kann ein öffentliches digitales Bücherregal ins Netz stellen und mit den Bibliotheken anderer Nutzer matchen. Zusammen mit den ebenso vorhandenen Rezensions- und Recommenderfunktionalitäten ergeben sich eine Vielzahl reizvoller Vernetzungsmöglichkeiten, durch die die Nutzung des Mediums Buch auf ein ganz neues Level gehoben werden könnte: Eine Begrifflichkeit wie “Social Reading” könnte dafür mit einiger Berechtigung geprägt werden.

Es könnten sich auch für Verlage durchaus attraktive Vertriebswege ergeben, sorgt doch Google für die komplette technische Abwicklung und den Betrieb der Shop-Plattform, die durch die Einbindung in die Google-Suchmaschinen vom Start weg eine sehr hohe Reichweite hat. Eine Investition in einen eigenen Shop ist für Verlage daher nicht erforderlich. Natürlich lässt auch Google sich diese Dienstleistung durchaus entlohnen und behält die nicht gerade bescheidene Provision von 37% des Umsatzes ein. Hier wird im weiteren Verlauf wie üblich Vieles Verhandlungssache sein – große Medienkonzerne mit starker Umsatzmacht werden bessere Konditionen erzielen können als der kleine Fachverlag um die Ecke.

Bisher können Google eBooks nur aus den USA heraus bestellt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Google die verbliebenen rechtlichen Hindernisse für eine Expansion des eBook-Vertriebs auch nach Europa mit der gleichen Zielstrebigkeit und Kaltschnäutzigkeit aus dem Weg räumen wird wie schon bei seinem erweiterten Kartendienst StreetView. Insbesondere wettbewerbsrechtliche Fragen werden dabei noch zu klären sein -  die in der Google Buchsuche bisher als Vertriebspartner gelisteten Internetbuchhändler wie Amazon oder Apple iTunes werden das jedenfalls so sehen. Und auch die Politik hat – wie das jüngste Missbrauchsverfahren der EU gegen Google beweist – ein durchaus wachsames Auge auf die wirtschaftlichen Aktivitäten des Suchmaschinenprimus. Und tatsächlich verknüpft Google auch mit dem eBookstore wieder einen neuen Service mit sämtlichen anderen Diensten, die man bereits im Netz hat. So ist zum Einkaufen im eBookstore ein Google-Account notwendig und bezahlt wird mit dem hauseigenen Paymentservice Google Checkout.

Zu Recht stehen auch urheberrechtliche Fragen noch im Fokus der Prüfer: Das Ziel von Google wird es sein, den gesamten Bestand von 15 Millionen Büchern, die für die Google Buchsuche eingescannt wurden, auch in seinem eBookstore vertreiben zu können – was insbesondere bei Werken, die in Printform bereits vergriffen sind, durchaus Sinn machen würde. Bezüglich der damit verbundenen urheberrechtlichen Fragen hat Google bereits ein Abkommen mit amerikanischen Autorenverbänden geschlossen, das gerade von der US-Justiz überprüft wird.

Es ist zu erwarten, dass die entsprechende juristische Debatte in Deutschland wieder mit besonderer Akribie geführt werden wird, bevor der eBookstore auch hierzulande an den Start gehen kann. Es bleibt indes zu hoffen, dass ein innovatives Konzept wie diese virtuelle Bibliothek nicht wieder zerredet und in ihrer Nützlichkeit für den Endnutzer  beschädigt wird (wie bei StreetView durchaus geschehen).

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