my.fdp – Social-Web-Plattformen der Parteien (4)

Wie wir ja schon festgestellt hatten, tun sich die “großen” Parteien CDU/CSU und SPD wesentlich schwerer damit, einen geeigneten Umgang mit einer eigenen Social-Web-Plattform zu finden, als kleinere Gruppierungen wie die Linkspartei. Auch die FDP hat mit my.fdp.de eine Community im Netz, in der sich sowohl Parteimitglieder als auch Interessenten und Sympathisanten untereinander vernetzen können. Die Seite kommt recht gefällig daher, die Parteifarben blau-gelb werden kobiniert mit dem metallischen 3D-Retro-Look wie er in der Webdesign-Branche gerade wieder in ist. Über die sehr werbliche Gestaltung der Seite, insbesondere über die aus dem Header fast jeder Seite etwas aufdringlich heraustretenden Hochglanz-Abbildungen irgendwelcher jungen Leute, die begeistert auf einen Computer starren oder – aus der Klischeeschublade der Werbefotografie gegriffen – mit dem Fernglas die Weiten des Web durchsuchen, kann man sich freilich streiten.

my.fdp Willkommens-Screen

Der Willkommens-Screen von my.fdp

Nach dem Login erhält man auf der Startseite einen Überblick über anstehende innerparteiliche Veranstaltungen, eingegangene Nachrichten und erfährt, welche registrierten Mitglieder das eigene Profil zuletzt besucht haben. Eine Instant-Messaging-Funktion mit Buddyliste ist sowohl browserbasiert vorhanden, als auch – das ist eine Besonderheit im Vergleich zu den Angeboten der anderen Parteien – als downloadbare Desktop-Applikation.

Hinter dem etwas großspurigen Link “Selbstdenker werden” versteckt sich ein Registrierungsformular für web-basierte Gruppen – offenbar eine FDP-Variante der aus facebook und StudiVZ bekannten Gruppen-Features. Wer sich dagegen an den Diskussionsforen der FDP beteiligen will, wird auf die entsprechenden Foren auf der Website der FDP-Bundesgeschäftsstelle verwiesen, für die man sich separat registrieren muss – und, nach FDP-Aussage, “innerhalb von einem Werktag” freigeschaltet wird. Die FDP behält sich also explizit vor, jedes Mitglied, das in ihren heiligen Hallen Beiträge publizieren möchte, auf Herz und Nieren zu prüfen und ggf. auch eine Freischaltung zu verweigern – nicht gerade ganz im Sinne des offenen Social-Web-Gedankens.

Freunde-Suche bei Myfdp

So macht man sich auf "Kontakte"-Suche bei myfdp.de

Durchaus gelungen ist die Freunde-Suche bei my.fdp: Neben der reinen Namens-Suche kann man registrierte Mitglieder auch nach Postleitzahl suchen, um festzustellen, was für Interessenten sich in der unmittelbaren räumlichen Umgebung befinden. Diese Suche lässt sich dann kombinieren mit der Frage, für welches Politikfeld sich die Mitglieder interessieren (z. B. Innenpolitik, Sicherheitspolitik, Medienpolitik) und, was ich besonders nett fand, mit der Frage, was für Hobbys sie haben: Also ein durchaus sinnvoller Matching-Mechanismus, das sich aus einer Kombination rein fachlicher und privater Interessen ergibt.

Etwas Wasser in den liberalen Wein muss man gießen, wenn man den Quellcode der Seiten anguckt, der mit endlos langen, lokal im Header eingebundenen JavaScripts nicht gerade suchmaschinenoptimiert ist. Auch die Navigationsstruktur könnte noch etwas stringenter sein, sie ist nicht ganz so intuitiv wie bei linksaktiv.de – das sich diesbezüglich freilich vollständig am Vorbild facebook orientiert hat. Insgessamt aber bietet my.fdp eine recht sinnvolle Auswahl an Social-Web-Features, die auch Benutzer, die damit noch nicht so häufig in Berührung gekommen sind, nicht überfordern dürfte.

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