Meine Kampagne – Social-Web-Plattformen der Parteien (5)

Was Bündnis 90/die Grünen als Social-Web-Plattform im Netz haben, dient am eindeutigsten von allen betrachteten Parteien der Mobilisierung der Basis.  Unter meinekampagne.gruene.de wird zu einer Reihe konkreter politischer Aktionen aufgerufen -  vom bestellbaren “Schwabenstreich-Paket” inklusive Trillerpfeife für Anti-Stuttgart21-Demonstrationen über eine Bastelanleitung für Atommüll-Dummies aus Konservendosen (“Atommüll in deinem Garten?”) bis hin zur “Guerilla-Aktion Ökostrom-Aufkleber”, bei der  online bestellte Aufkleber mit dem Aufruf “Umschalten auf Ökostrom” an öffentlichen Plätzen wie Straßenlaternen, Leitungskästen oder Bushaltestellen angebracht werden sollen. Die Partei nutzt die Website also in erster Linie zur Koordination von Aktionen, die außerhalb des Netzes stattfinden.

Meine Kampagne Mailing

Massenmailing via WWW bei den Grünen

Einzelne Kampagnen werden aber auch direkt online durchgeführt, etwa die Aktion “Genkartoffel? Kommt nicht in die Tüte”, in deren Rahmen man direkt über die Website ein Protestschreiben an Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verschicken kann. Dafür wählt man zunächst, über welchen Kanal der eigene Protestbrief verschickt werden soll (E-Mail oder Fax) und erhält dann auf der nächsten Seite ein Online-Formular, in dem das komplette Anschreiben bereits vorausgefüllt und mit dem eigenen Namen als Absender individualisiert ist (siehe Abbildung). Man kann diesen Text nun den eigenen Vorstellungen entsprechend etitieren und der Empfängerin auf Mausklickdirekt online zukommen lassen.

Durch die so erfolgte extreme Vereinfachung des Vorgangs durch Internettechnologie streben die Grünen eine erhöhte Beteiligungsrate bei ihren herkömmlichen Polit-Aktionen an. Die klassischen Social-Web-Features, wie wir sie auf den Plattformen der FDP und der Linkspartei gefunden hatten, vermisst man bei den Grünen allerdings. Unter “Mein Profil” werden Daten zur Motivation erhoben, warum mein sich für “Meine Kampagne” registriert hat, in welcher Art und Weise man für die Grünen aktiv werden möchte und was für eine Einstellung man zu politischen Kernthemen wie Bildung, sozialer Gerechtigkeit und Umweltpolitik hat. Eine solche Erhebung wäre aus Sicht der registrierten Mitglieder dann nutzenbringend, wenn ein auf diese Eingaben zurückgreifender Matching-Mechanismus gleichgesinnte Mitglieder ermitteln und miteinander in Kontakt bringen würde – eine solche Funktion ist auf der Seite jedoch nicht zu finden, so dass sich das “Profil” als reine Marktforschungsmaßnahme der Partei entpuppt. Insgesamt also, auch im Vergleich zu den anderen kleineren im Bundestag vertretenen Parteien, ein eher untypischer Einsatz von Social-Web-Elementen.

Damit findet meine kleine Serie von Blogpostings zu Social-Web-Plattformen der Parteien ihr Ende mit einem durchwachsenen Fazit: Während die Volksparteien CDU/CSU und SPD sich noch schwertun, ihre sozialen Netzwerke zweckgemäß einzusetzen, orientieren sich die kleineren Parteien beim Versuch, ihren Social-Web-Dienst zur Mobilisierung von Parteimitgliedern und -sympathisanten zu nutzen, am Erfolgsmodell von Facebook oder versuchen, ihre herkömmlichen Politik-Methoden ins Internet zu verlängern – wobei  sie noch wenig Kreativität im Sinne “echter” Social-Web-Funktionalitäten entfalten.

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