ZDF Login – “TV 2.0″, öffentlich-rechtlich

Das ZDF versucht sein aufgrund leicht angegrauter Stammzuschauerschaft etwas angestaubtes Image jetzt mit einem Format zu modernisieren, das web-basierte Beteiligungsformen mit einer politischen Talkshow verbindet: In “ZDF Login” stellt sich jeweils ein prominenter Talk-Gast den Fragen eines Moderators und der online teilnehmenden Chatter. Die als “einzige Sendung im deutschen Fernsehen, in der Ihr fragt  und Politiker antworten” angekündigte Live-Übertragung ist im Ablauf ähnlich konstruiert wie die gemeinsam von CNN und Youtube 2007 anlässlich des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes veranstaltete TV-Debatte. Auch in diesem Fall arbeitet der veranstaltende TV-Sender mit einem Partner aus der Social-Networking-Szene zusammen, und zwar mit den VZ-Netzwerken, die im Vorfeld der Sendung Fragen von Internetnutzern einsammeln, die dem Politiker dann vom Moderator stellvertretend gestellt werden.

Die erste Fragerunde am 23. November ließ Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster über sich ergehen – er hatte dabei das umstrittene Bahnhofsprojekt “Stuttgart 21″ zu verteidigen. Also ein sehr gut gewähltes Thema für ein solches Format, denn gerade bei öffentlichen Kontroversen dieser Art spielt sich ein Großteil der Debatte – und auch der politischen Agitation in Form von Bügerinitiativen, die sich über soziale Netzwerke organisieren – ohnehin im Social Web ab.

In “ZDF Login” begegnet man allerdings in erster Linie den typischen Elementen öffentlich-rechtlichen Fernsehens wieder: In gewohnter journalistischer Qualität führt ein erklärender Einspieler zu Beginn der Sendung in das Thema ein. Es schließt sich ein routiniert und ausgewogen gestaltetes Interview mit dem Talkgast an. Immer wieder unterbrochen wird das Gespräch durch Blicke auf die parallel in Chats und Foren stattfindende Diskussion der Internetnutzer, aus der dann zitiert wird. Gelegentlich werden Diskussionsbeiträge aus dem Chat in Form eines Laufbandes direkt ins Fernsehbild eingeblendet. Etwas unglücklich kam in der Erstausstrahlung die Einbindung von aus der Internet-Community rekrutierten Diskutanten als Live-Gäste im Studio daher, deren vorgestanzte Redebeiträge auswändiger dahergesagt klangen als jedes Politiker-Statement.

Insgesamt handelt es sich um eine sehr behutsame Implementation von Web-2.0-Elementen in ein Fernsehumfeld. Als journalistisches Format ist die Sendung durchaus ansprechend und hinsichtlich der Gesprächsdramaturgie sogar informativ werthaltiger als die vielen politischen Krawall-Talkshows im deutschen Fernsehen. Die groß angekündigten Social-Media-Elemente spielen dabei aber im Grunde eine kaum größere Rolle als in anderen Formaten wie etwa Hart aber Fair, wo das Publikum in vergleichbarer Art und Weise per Internet in die Diskussion eingebunden wird.

Moderiert wurde die erste Sendung von dem dreißigjährigen Journalist Jo Schück, der anlässlich der Bundestagswahl im letzten Jahr bereits eine ähnliche interaktive Sendung im ZDF gehostet hatte (auch das eine Kooperation mit den VZ-Netzwerken). Bis auf ein paar rhetorische Anbiederungsversuche an das junge Publikum (z. B. zur Stuttgart21-Diskussion: “Der Käse ist noch lange nicht gegessen”)  führte er sicher und mit großer Sachlichkeit durch die  Diskussion. Offenbar handelte es sich bei ihm aber nur um eine Übergangsbesetzung, denn bei der für den 7. Dezember angekündigten zweiten Sendung wird Schück ohne Angabe von Gründen durch die einem Massenpublikum wesentlich bekanntere “heute journal”-Sprecherin Dunja Hayali ersetzt. Man darf gespannt sein, ob das ZDF, dem es im ersten Anlauf durchaus gelungen ist, die in Deutschland bereits überfrachtete Landschaft politischer Talkshows um ein hochwertiges neues Format zu bereichern, das Niveau dauerhaft halten kann. Das Thema der zweiten Runde – “Terroralarm in Deutschland” – bietet sowohl Potenzial für die üblichen Polit-Talkshowspektakel als auch für eine differenzierte Diskussion gesellschaftlicher Trends, die gerade bei diesem Thema sehr zu begrüßen wäre.

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