Empfehlungsmarketing – the next big hype? (6)

Neben den Portalen, die Empfehlungsmarketing im Kontext von Lern-Communities betreiben, gibt es auch redaktionelle Konzepte für Expertenportale mit dem Ziel, Anlässe für Empfehlungsmarketing zu schaffen. Dabei werden User als “Guides” für bestimmte Themenstellungen verpflichtet, zu denen sie regelmäßig Beiträge in das Portal einstellen. Dafür wird vom Betreiber ein Content Management System wird zur Verfügung gestellt. So weit ähnelt das Konzept dem der Wikipedia; es besteht jedoch ein entscheidender Unterschied, da es sich um ein kommerzielles System handelt: Die Guides werden an den Erlösen ihrer Seiten beteiligt. Die Betreiber kümmern sich um die Vermarktung.

In Deutschland gab es verschiedene Versuche, dieses Modell zu etablieren – mit durchwachsenem Erfolg. Zuletzt wurde das Berliner Büro des kanadischen Autorennetzwerks Suite101 geschlossen. Ursache war nach Darstellung des Unternehmens eine erhebliche Verschlechterung der Sichtbarkeit der Inhalte in Google aufgrund des als “Panda-Update” bekanntgewordenen Änderung des Suchalgorithmus beim Suchmaschinengiganten, der eigentlich qualitativ niederwertige Content-Farmen abstrafen sollte. Die deutschsprachige Seite wird zwar von Kanada aus weiter betrieben, zwölf Redakteure , die bisher vor Ort in Berlin tätig waren, müssen aber ihren Hut nehmen. Offenbar hat der Burda-Konzern – einer der Haupteigner der deutschen Niederlassung – das Vertrauen in das Geschäftsmodell nach dem pandabedingten Traffic-Absturz in diesem Herbst sehr schnell verloren.

Auch der bekannte Journalist und ehemalige Spiegel-Redakteur Hajo Schuhmacher hatte mit spredder.de versucht, ein Autorennetzwerk in Deutschland zu etablieren. Bezeichnet als “Online-Shop für Qualitätsjournalismus” sollte es freien Journalisten ermöglichen, ihre Texte zu vermarkten, indem sie interessierten Verlagen und Online-Medien zu einem selbstdefinierten Preis zur Lizensierung angeboten wurden. Schuhmachers Team behielt sich dabei vor, nur Artikel auf der Plattform zu vermarkten, welche den Kriterien des “Qualitätsjournalismus” gerecht wurden. Spredder verdiente 30% an jedem verkauften Artikel mit. Auch dieses Modell eines unabhängigen Netzwerks scheiterte, als Spredder im September diesen Jahres von der Deutschen Post übernommen wurde, die mit DieRedaktion.de die letzte verbliebende Journalismus-Börse in Deutschland betreibt. Sei es werbefinanziert oder als B2B-Börse, bei der die Plattform von Content-Einkäufern finanziert wird: Diese Variante des Empfehlungsmarketings ist, zumindest in Deutschland, bisher stets an einer nachhaltigen Finanzierung gescheitert.

Abwandlungen dieses Konzepts sind Dienste, welche das Modell eines Autorennetzwerks mit Konzepten des Social Bookmarkings und des Bloggens kombinieren. Eine der ältesten, seit 1997 bestehenden Plattformen dieser Art ist Slashdot, eine Kombination aus einem web-basierten Nachrichtenticker und einem Weblog, ausgerichtet auf technische Neuigkeiten. Der Inhalt von Slashdot besteht zum größten Teil aus Zusammenfassungen von anderen Webseiten und Verweisen auf diese Seiten. Jeder Leser hat die Möglichkeit, zu einem Thema einen Kommentar abzugeben. Diese Möglichkeit der Interaktion wird rege genutzt. Meistens werden zu einem Thema mehrere hundert bis tausend Kommentare verfasst. Um gute Kommentare einfacher zu finden, gibt es ein Moderationssystem, nach dessen Wertungen man die Kommentare sortieren lassen kann. Obwohl es sich bei Slashdot um eine werbefinanzierte, kommerzielle Website handelt, erscheint sie durch die thematische Ausrichtung auf freie Software als “offenes” Projekt, ähnlich der Wikipedia – vielleicht liegt darin der Erfolg des Konzepts begründet.

Ähnlich funktioniert digg.com, in Anbieter von Social Bookmarks, der sich auf jede Art von Nachrichten, Videos und Podcasts spezialisiert hat. Verweise auf Neuigkeiten (Blog-Einträge, Pressemitteilungen oder Nachrichten) werden von Benutzern mit Titel, Beschreibung und Kategorie eingestellt und von anderen Benutzern mit Hilfe des Verweises „digg it!“ als positiv bewertet. Ein Verweis kann auch als Spam oder in anderer Hinsicht als problematisch bewertet werden, er wird dann „begraben“ (bury). In dieser Plattform materialisiert sich also Empfehlungsmarketing reinsten Wassers. Trotz eines beachtlichen Erfolgs kann von einem wirklichen “Hype”, zumal in Deutschland, auch bei diesem Modell nicht gesprochen werden.

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Harry Potter ist der Held des Weihnachtsgschäfts – aber nicht der einzige

Der 18. Dezember 2011 war bei Amazon.de der Spitzentag der Weihnachtszeit mit 2,8 Millionen bestellten Produkten – das entspricht 32 Stück pro Sekunde. Um diese enorme Zahl an Produkten zuzustellen, verließen die 5 deutschen Logistikzentren am 19. Dezember über 660 vollbeladene LKW; verpackt wurden sie von rund 10.000 zusätzlichen saisonalen Arbeitskräften.

Doch welche Artikel wurden im Weihnachtsgeschäft besonders oft geordert? Hier eine Rangliste der beliebtesten bei Amazon georderten Produkte:

  1. Amazon Kindle Fire mit Wi-Fi und 6-Zoll-Display (Kategorie Elektronik)
  2. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 (Kategorie DVD)
  3. FIFA 12 (Kategorie Videospiele)
  4. Adele “21” (Kategorie Musik)
  5. Call of Duty: Modern Warfare 3 (Kategorie Videospiele)
  6. Assassin’s Creed Revelations (Kategorie Videospiele)
  7. “Eragon – Das Erbe der Macht” (Kategorie Bücher)
  8. Qwirkle, Spiel des Jahres 2011 (Kategorie Spielzeug)
  9. Samsung S5230 Smartphone (Kategorie Elektronik)
  10. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2, Blu-Ray (Kategorie DVD)

Mit gleich zwei Platzierungen unter den Top 10 (ein Mal als DVD, einmal als Blu-Ray) erweist sich der allerletzte Film aus der Harry-Potter-Reihe einmal mehr als ideales Weihnachtsprodukt. Ansonsten wird die Liste dominiert von Videospielen – traditionell eine der über Versandhändler am besten verkaufbaren Produktsparten. Den Spitzenplatz erobert allerdings das Gerät, das nun auch in Deutschland den Siegeszug des E-Books einläuten soll: Nämlich der Amazon-eigene E-Book-Reader Kindle Fire, der das ganze Weihnachtsgeschäft über prominent auf der Startseite von amazon.de zum Kampfpreis von 99 Euro angeboten worden war.

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Prezi – praktische Helferlein im sozialen Netz (6)

Blicken wir den Tatsachen ins Auge: Bei Präsentationen – ganz gleich, ob im beruflichen oder privaten Kontext – get es immer auch um Eycandy – darum, den eigentlichen Inhalt und damit den Zuhörer einzubetten in weiche kuschelige Kissen visueller Effekte. Am besten gelingt das, wenn diese Effekte nicht um ihrer selbst willen eingesetzt werden, sondern die unhaltliche Aussage unterstützen und Zusammenhänge verdeutlichen.

Powerpoint ist das verbreitetste, aber für diesen Zweck nicht das geeignetste Tool. Mit prezi.com lassen sich online sehr schnell Präsentationen erstellen und, als Web-Präsentation oder live vor Ort, vorführen. Das Besondere dabei ist: Man erstellt nicht, wie in Powerpoint, einzelne Slides, die linear abgespult werden, sondern man kann eine gesamte Präsentation in einer einzigen Infografik unterbringen, um die Zusammenhänge, z. B. in Form einer Mindmap darzustellen. Die Strukturierung erfolgt dann durch frei definierbare Schwenks und Zooms auf einzelne Bestandteile dieser Infografik, die dann nacheinander bildschirmfüllend vergrößert werden, so dass man die Text- und Bildbestandteile wie ein einzelnes Slide betrachten kann. Die Erstellung einer solchen Präsentation ist denkbar intuitiv und leicht zu erlernen. Als zusätzliches Feature gibt es Gruppen-Bearbeitungsfunktionen, so dass man per Internet auch gemeinsam an einer Präsentation arbeiten kann.

Das Prinzip wird in diesem kurzen Video erläutert:

Erfunden wurde Prezi interessanterweise nicht von einem Software-Entwickler, sondern von einem ungarischen Architekten, der in den gängigen Präsentations-Programmen keine Möglichkeit fand, den Grundriss eines Hauses mal als Ganzes zu zeigen und mal auf einzelne Zimmer zoomen zu können, um diese hervorzuheben, ohne ihre Position im Gesamtbauplan auszublenden. So programmierte er einen solchen Editor einfach selbst, zunächst nur für den Eigengebrauch. Ein Professor der Universität Budapest wurde auf die Software aufmerksam und überzeugte ihren Erfinder, daraus einen allgemein zugänglichen Editor zu machen, der heute kommerziell vermarktet wird.

Hier gibt es eine Beispielpräsentation:

Es handelt sich bei prezi.com um einen Cloud-Service, der zunächst kostenlos nutzbar ist. In dieser Lizenz wird in alle sebst erstellten Präsentationen im Footer ein prezi-Logo eingeprägt, zudem sind die Präsentationen aber für alle prezi-User öffentlich sichtbar – für berufliche Präsentationen denkbar ungeeignet. Das Geschäftsmodell sieht also eine kostenpflichtige Premium-Variante vor, die ab 59 $ pro Jahr verfügbar ist (mit 500 MB Webspeicher statt der mageren 100 in der Basisversion). Will man die Software auch offline nutzen, benötigt man eine Desktop-Lizenz für 159 $ pro Jahr (inklusive 2 GB Webspeicher). Lediglich Studenten und Hochschullehrer dürfen nicht-öffentliche und nicht prezi-gebrandete Präsentationen erstellen und erhalten die Desktop-Lizenz für 59 $.

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fluege.de – ein neuer Player in der Skiindustrie debütiert auf der Vierschanzentournee

Das Online-Reisebuchungsportal fluege.de ist vor einiger Zeit in die Skiproduktions-Branche eingestiegen. Bedient wird ein ausgesprochener Nischenmarkt: Es werden Bretter für Skisprung-Profis hergestellt, die mit Blick auf die Medienberichterstattung, deutlich mit fluege.de-Schriftzug beschriftet sind. Zu diesem Zweck wurde Ende 2010 der aus einem DDR-Kombinat hervorgegangene Thrüringer Skihersteller Germina von der Unister-Holding (dem Mutterunternehmen von fluege.de) übernommen. Nach einem Jahr behauptet sich das junge Startup gegen die großen Marktführer wie Fischer und hat mittlerweile 9 Weltklasse-Skispringer unter Vertrag, die regelmäßig unter die Zop 10 bei Weltcup-Wettkämpfen springen. Das Vertrauen der Profis konnte durch eine qualitativ hochwertige Produktion und durch das Gewinnen von Experten mit bestem Ruf Athletenkreisen gewonnen werden. So konnte der ehemalige französische Skispringer Pierre Heinrich, der seit Jahren als Mittelsmann zwischen Skiindustrie und Sportlern fungiert, als Teilhaber gewonnen werden.

Der Schachzug kann also als erfolgreiche Marketing-Aktion gewertet werden, sind die Investitionskosten in das sechsköpfige Mitarbeiter-Team doch wesentlich geringer als es Werbebuchungen für eine vergleichbare Medienpräsenz wären. Die Markenbekanntheit für fluege.de, dessen Logo Altmeister wie Martin Schmitt, aber auch bei jungen aufstrebenden Athleten bei jedem Interview aufmerkseimkeitsstark in die Kamera gehalten wird, konnte enorm gesteigert werden.

Beim gestrigen Eröffnungsspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf war fluege.de wieder sehr präsent. Als Mitglied der Unister-Gruppe hatte ich Gelegenheit, an dem Ereignis hautnah teilzunehmen. Hier einige visuelle Eindrücke:

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Gesucht: Diktator/in

Eine originelle Aktion im Stellenanzeigenteil einer Tageszeitung, die völlig zu Recht derzeit auch im Social Web herumgereicht wird. Wer dahintersteckt? Seht selbst: 20111229-193321.jpg

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14 Stunden Fernsehen am 2. Weihnachtstag – was lohnt sich wirklich?

Mit einem Klassiker beginnt der lange Fernsehtag um 13:00 Uhr auf Kabel Eins: George Pals Verfilmung von Die Zeitmaschine ist gleichermaßen Hommage an den 1895 erschienen Roman von H. G. Wells wie Verarbeitung der Atomkriegs-Angst der 50er Jahre – die Erzählung um die Zukunft der Menscheit als êine Spezies, die in eine degenerierte Herren- und eine willenlose Sklavenrasse gespalten ist, wäre darüber hinaus auch sehenswert als Parabel, in der sozialistische Klassenkampf-Ideen zugespitzt zu Ende gedacht werden.

Geruhsamer geht es um 14:20 weiter mit der letzten von vier Neuverfilmungen bekannter Märchenklassiker, die von der ARD zur Weihnachtszeit ausgestrahlt werden: Die Sterntaler, von den Gebrüdern Grimm um 1810 als Allegorie eines vorbildlichen und barmherzigen christlichen Lebens verfasst, erfährt in der aufwändigen Bavaria-Produktion, die sich bewusst an Kinder und Erwachsene richtet, eine behutsame Aktualisierung. Gleich im Anschluss, 16:15 Uhr: Wer am 1. Weihnachtstag schon den ersten Teil der vielgelobten Neuverfilmung des Selma-Lagerlöf-Klassikers Nils Holgersson gesehen hat, sollte auch den abschließenden 2. Teil nicht versäumen.

RTL setzt in seinem Nachmittagsprogramm ganz auf die sichere Bank: Robert Zemeckis’ weihnachtliche Tom-Hanks-Animation Der Polarexpress, Steven Spielbergs E. T. – der Außerirdische und gleich zwei mal Ice Age bieten massenwirksames und mitunter rührseliges Feiertags-Entertainment.

Je weiter es in den Abend geht, desto härter wird der Quotenkampf um die Freizeit der Suschauer zwischen den Sendern ausgetragen: Eröffnet wird der Reigen um 19:05 mit einer mehr oder weniger weihnachtlichen Ausgabe der Kuppel-Show Bauer sucht Frau auf RTL. Die RTL-Gruppe setzt auch via VOX um 20:15 unerbittlich auf Unterhaltung: 7 Zwerge – Männer allein im Wald bildet einen Gegenpol zur ambitionierten Märchenreihe der ARD und versammelt die gesamte deutsche Blödel-Elite von Otto Waalkes über Tom Gerhardt und Mirco Nontschew bis hin zu Harald Schmidt in einem zu lang geratenen Comedy-Sketch – das erfordert wirklich Stehvermögen. Comedy von ganz anderem Niveau bietet Arte mit der Western-Parodie Im wilden Westen aus dem Jahr 1937, die zum Besten gehört, was das Komiker-Duo Laurel und Hardy je herausgebracht hat. Wer zu Weihnachten aber weniger lachen als schmachten möchte, wird zeitgleich auf RTL bedient mit Nicole Kidman und Hugh Jackman in Baz Luhrmans dreistündigem Historien-Epos Australia.

In der ProSiebenSatEins-Gruppe kennt man zu Weihnachten keine Freunde: Mit Shrek der Dritte (ProSieben) und Fluch der Karibik – bis ans Ende der Welt (SatEins) lässt man zwei Erstausstrahlungen absoluter Blockbuster gegeneinander antreten. Bei beiden handelt es sich bereits um die wiederholte Fortsetzung eines Kassenschlagers – als Sequel gelungener ist die anspielungsreiche Märchen-Persiflage Shrek.

Steven Spielberg kehrt zurück – auf RTL2, das ebenfalls zur Prime Time mit der x-ten TV-Ausstrahlung von Schindlers Liste ganz auf Betroffenheit und Anspruch setzt. Auch das ZDF fährt mit der altbewährten Soap-Kombi Das Traumschiff (20:15) und dessen Spin-Off Kreuzfahrt ins Glück (21:45) eher Hausmannskost auf.

Beschließen kann man den Abend spät um 1:20 Uhr mit Steven Soderberghs spannendem Comedy-Drama Erin Brockovich, in dem Julia Roberts mal wirklich zur Hochform aufläuft.

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